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Arbeitsgruppe 7:Von der WM ‘98 zur Euro 2000 in Be

Arbeitsgruppe 7:


Von der WM ‘98 zur Euro 2000 in Belgien und den Niederlanden

Forderungen der Fans an die Organisatoren und den DFB
Aus Fansicht war die Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich aus vielerlei Gründen eine mehr als unerfreuliche Veranstaltung.
- Zu keinem Zeitpunkt schien den Organisatoren daran gelegen, daß sich auch jüngere und nicht so gut verdienende Menschen eingeladen fühlen konnten, am “Fest des Fußballs” teilzunehmen. Es gab keinerlei Anstrengungen der Kommunen z.B. billige Unterkünfte zur Verfügung zu stellen, geschweige denn einen Campingplatz für Fußballfans auszuweisen. Es gab keine fanspezifischen Informationen – schon gar nicht in der jeweiligen Landessprache – ganz im Gegenteil wurde man fast immer an die Touristeninformationen verwiesen, die mit diesen Anfragen seltenst zurechtkamen.
- Es gab so gut wie keine Veranstaltungen für junge Leute und noch nicht mal genügend Großbildleinwände, auf denen Fans ohne Karten wenigstens die Spiele gemeinschaftlichhätten sehen können.
- Der Turniermodus an sich war schon fanfeindlich. Was sich Michel Platini als zuschauerfreundliche Version und Begegnung der Jugend der Welt am Schreibtisch ausgedacht hat, war letztlich genau das Gegenteil
- Auf die unzulängliche Kartenvergabepraxis muß hier nicht näher eingegangen werden. Jeder weiß: sie war ein Skandal. Es interessierte niemanden unter den Verantwortlichen, ob hinreichend Fans in den Besitz der Karten kommen, Hauptsache war, VIPs, Sponsoren, Funktionäre und ihre zahlreichen Begleiter wurden bedient.
- Eine Provokation für alle Fußballfreunde stellte die überproportionale Verteilung von Eintrittskarten an Sponsoren dar. Wenn Fußballfans auf dem Schwarzmarkt mit Preisen im vierstelligen DM-Bereich nach den schon aufgebrachten Fahrtkosten konfrontiert und im gleichen Atemzug Karawanen von Sponsorengruppen an den frustrierten Fans vorbei in die Stadien geführt werden, zeigt dies mehr als deutlich, wo die bevorzugten Zuschauergruppen zu suchen sind.
- Die Inszenierung der Spiele in und um die Stadien war ein Graus und den Zuschauern gegenüber, die in früheren Zeiten die Inszenierung der Spiele mit ihren Gesängen und Anfeuerungsrufen gestaltet haben, absolut respektlos. Man fühlte sich in keinster Weise ernst genommen, sondern verarscht.
Das Auftreten all dieser Mängel erscheint noch unverständlicher, bedenkt man die vielen guten Ansätze, die bei der Europameisterschaft 1996 in England verwirklicht wurden. Wir wissen also, daß vieles geht, man muß es nur wollen.
Daher fordern wir im Hinblick auf die Europameisterschaft 2000 in Belgien und Holland und eine mögliche WM 2006 in Deutschland:
- WM 2006 in Deutschland nur, wenn die diesbezüglichen Stadionum- und Neubauten nicht auf Kosten der Stehplätze nach dieser Großveranstaltung gehen. 4 Wochen WM - ein Leben lang sitzen - nein, danke!
- In die Inszenierung (Regie) der Spiele sollten Fans eingebunden sein, die sensibel auf die Atmosphäre in den Stadien reagieren können.
- Fans und Fanorganisationen müssen in die Organisation der Euro eingebunden sein. Wer, wenn nicht die Fans, wissen was zu tun ist, damit wir uns im Stadion und drumherum wohlfühlen. Wir wollen als Gäste empfangen und behandelt werden, und nicht als potentielles Sicherheitsrisiko.
- Wir erwarten vom Organisationskomitee und den Sicherheitsbehörden ein differenziertes und abgestuftes Vorgehen. Sicherheitsaspekte sind wichtig, dürfen jedoch nicht anerster Stelle stehen.
- Die Eintrittskartenvergabepraxis muß gründlichst überdacht werden. Es muß für alle die, die unabhängig von Reiseveranstaltern zur Euro wollen die Möglichkeit geben, Karten zum aufgedruckten Preis zu kaufen.
Die Kartenpreise müssen sozial verträglich gestaltet sein.
- Die Anzahl der Karten pro Verband sollte sich u.a. auch an der Zahl der Fans orientieren, die die jeweilige Nationalmannschaft vorraussichtlich unterstützen werden.
- Die Zahl der Karten für die Sponsoren muß drastisch reduziert werden. Eigentlich gibt es keinen Grund, warum die ihre Karten nicht selbst bezahlen können.
- Auf jeden Fall sollte es für diejenigen, die nicht in die Stadien können, kostenfreie Großbildleinwände in den jeweiligen Spielorten geben, auf denen das Spiel verfolgt werden kann.
- In jeder Stadt sollte es eine „Fanbotschaft“ geben, wo fanspezifische Informationen auch in der jeweiligen Landessprache angeboten werden.
- Bezahlbare Unterkünfte und/oder ein zentraler Campingplatz für Fußballfans im oder am jeweiligen Veranstaltungsort - gut ausgeschildert und leicht erreichbar.
- In das Rahmenprogramm gehören Veranstaltungen, die sich an den Bedürfnissen von jungen Menschen orientieren, z.B. Rockkonzerte, Discos, Kontaktmöglichkeiten etc.
- Der Turniermodus sollte es erlauben, längere Zeit an einem Ort bleiben zu können. Das hätte zwei Vorteile: Erstens müßte man nicht so viel von Deutschland aus organisieren und zweitens wäre es so viel einfacher, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen und auch das Land besser kennenzulernen.
Referent: Öri (Frankfurt)


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