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Arbeitsgruppe 3:Vom Fan zum Fußballkunden?

 

Arbeitsgruppe 3:
Vom Fan zum Fußballkunden?
Wirtschaftliche Veränderungen
und Auswirkungen im Profi-Fußball

Der Profi-Fußball steht unmittelbar vor einer erheblichen ökonomischen und strukturellen Veränderung. Die Umwandlung von Vereinen in Kapitalgesellschaften (insbesondere Aktiengesellschaften), der Verteilungskampf zwischen dem DFB und den Lizenzvereinen bei der Vermarktung sowie eine “blühende” Fernsehlandschaft mit Pay-TV und Pay-per-View sind nur Stichworte vor dem Hintergrund einer völlig neuen Dimension der Kommerzialiserung des Fußballs.
Die Betreiber des Fußballgeschäfts stellen derzeit die Weichen für diesen Quantensprung. Die dabei notwendig mitproduzierten Probleme werden bereitwillig den Kapitalinteressen untergeordnet, teilweise sogar ignoriert. Die Problemstellungen betreffen den Spielbetrieb unmittelbar (Binnen-Bereich) und haben Auswirkungen auf die nicht zuletzt auch gesellschaftlich-kulturellen Verflechtungen des Fußballs im Außen-Bereich.
Die wesentlichen Probleme im Binnen-Bereich sind unter anderem:
- Gefährdung des Solidarprinzips (z. B. hängen die Vereine der 2. Bundesliga in ihren Jahresetats bis zu 50 % von den derzeitigen TV-Geldern ab)
- Verschärfter Verdrängungswettbewerb in der Bundesliga (der FC Bayern und Dortmund würden als AG kurzfristig einen Jahresumsatz von ca. 250 Millionen DM erreichen)
- Auf- und Abstieg werden nicht ausschließlich nach sportlichen Gesichtspunkten entschieden (Mayer-Vorfelder angesichts der 2.BL-Saison 1997/98: “Nichts gegen Gütersloh. Aber was wäre, wenn Gütersloh aufsteigt...”)
- Fachfremde Kapitalinteressen werden den Fußball instrumentalisieren
- Die Chancen für den Nachwuchs werden sich verschlechtern
- Neben der 2. BL ist die wirtschaftliche Basis für den unterbau (Regionalligen, evtl. 3. Profiliga) völlig ungelöst
Die wesentlichen Probleme im Außen-Bereich - und hier nur eingegrenzt auf die Auswirkungen für den Fan - sind unter anderem:
- Der Verein wird zum Markenzeichen gemacht. Fußball wird verkauft wie Waschmittel (“Vorbild” Manchester United)
- Die bereits eintretende bzw. drohende Versitzplatzung ist nur ersten Etappe in der voranschreitenden Entfremdung zwischen Fans, Spiel und Spielern
- Der Fan wird zum Relikt - die neuen Könige sollen Kunden, Käufer, Konsumenten und Kleinaktionäre sein.
Eine diesbezügliche BAFF-Resolution im Hinblick auf den mittlerweile bereits verstrichenen DFB-Bundestag im Oktober 1998 konnte nicht aufgestellt werden, da der Diskussionsbedarf zu viel der zu kurzen Zeit einnahm und das Thema noch zu komplex im Raume steht. Hier wird es sinnvoll sein, das Thema beim Wintertreffen 1999 wieder aufzugreifen und dabei auch den Einflußstatus der Fans im Zusammenhang mit Aktienkauf und Vereinsmitgliedschaft zu beleuchten.
Nachdem der DFB-Bundestag im Oktober 1998 eine Umwandlung der gemeinnützigen Vereine in Unternehmensgesellschaften (50 % + 1 Aktie müssen im Besitz des Vereins bleiben) ermöglichte, sind die wirtschaftlichen Transformationsbemühungen der Clubs weiter in Schwung gekommen, liegen aber trotzdem in einem geteilten Meinungsfeld. Während Dortmund, Mönchengladbach und Wilhelmshafen (!) weiterhin einen Börsengang anvisieren, will Leverkusen zur GmbH mutieren; Kaiserslautern macht sogar einen kompletten Rückzieher. Vorstandsvorsitzender Jürgen Friedrich sagte dazu: „Das ist Kokolores. Damit entfremdet sich der Volkssport Fußball total von seiner Basis” (HH Morgenpost, 5.01.99). Von Börsenexperten sickerte durch, daß erfahrungsgemäß eine 50 % + 1-Vereinbarung keine Garantie für eine nur geringe Einflußnahme von fußballfremden Kräften sei. Außerdem gäbe es nur zwei Börsenfußballvereine (von mittlerweile ca. zwanzig europaweit), die Positivbeispiele für einen Gang an die Börse sind: Manchester United und Bröndby Kopenhagen. Diese Clubs fußen ihre Unternehmen allerdings vor allem auf fußballfremdes Kapital und Investitionen (z. B. Immobilien, Kaufhäuser, Hotels) und nicht auf dem Unsicherheitsfaktor des sportlichen Erfolgs. Vielleicht liebäugeln deshalb die deutschen Erstligavereine, wenn überhaupt, zur Zeit mit einer gemäßigteren Form der Unternehmensgesellschaft, obwohl die Unmengen an plötzlich freiwerdendem Kapital durch einen Börsengang schon verlockend für sie erscheint. Der Profi-Fußball steht unmittelbar vor einer erheblichen ökonomischen und strukturellen Veränderung. Die Umwandlung von Vereinen in Kapitalgesellschaften (insbesondere Aktiengesellschaften), der Verteilungskampf zwischen dem DFB und den Lizenzvereinen bei der Vermarktung sowie eine “blühende” Fernsehlandschaft mit Pay-TV und Pay-per-View sind nur Stichworte vor dem Hintergrund einer völlig neuen Dimension der Kommerzialiserung des Fußballs.
Die Betreiber des Fußballgeschäfts stellen derzeit die Weichen für diesen Quantensprung. Die dabei notwendig mitproduzierten Probleme werden bereitwillig den Kapitalinteressen untergeordnet, teilweise sogar ignoriert. Die Problemstellungen betreffen den Spielbetrieb unmittelbar (Binnen-Bereich) und haben Auswirkungen auf die nicht zuletzt auch gesellschaftlich-kulturellen Verflechtungen des Fußballs im Außen-Bereich.
Die wesentlichen Probleme im Binnen-Bereich sind unter anderem:
- Gefährdung des Solidarprinzips (z. B. hängen die Vereine der 2. Bundesliga in ihren Jahresetats bis zu 50 % von den derzeitigen TV-Geldern ab)
- Verschärfter Verdrängungswettbewerb in der Bundesliga (der FC Bayern und Dortmund würden als AG kurzfristig einen Jahresumsatz von ca. 250 Millionen DM erreichen)
- Auf- und Abstieg werden nicht ausschließlich nach sportlichen Gesichtspunkten entschieden (Mayer-Vorfelder angesichts der 2.BL-Saison 1997/98: “Nichts gegen Gütersloh. Aber was wäre, wenn Gütersloh aufsteigt...”)
- Fachfremde Kapitalinteressen werden den Fußball instrumentalisieren
- Die Chancen für den Nachwuchs werden sich verschlechtern
- Neben der 2. BL ist die wirtschaftliche Basis für den unterbau (Regionalligen, evtl. 3. Profiliga) völlig ungelöst
Die wesentlichen Probleme im Außen-Bereich - und hier nur eingegrenzt auf die Auswirkungen für den Fan - sind unter anderem:
- Der Verein wird zum Markenzeichen gemacht. Fußball wird verkauft wie Waschmittel (“Vorbild” Manchester United)
- Die bereits eintretende bzw. drohende Versitzplatzung ist nur ersten Etappe in der voranschreitenden Entfremdung zwischen Fans, Spiel und Spielern
- Der Fan wird zum Relikt - die neuen Könige sollen Kunden, Käufer, Konsumenten und Kleinaktionäre sein.
Eine diesbezügliche BAFF-Resolution im Hinblick auf den mittlerweile bereits verstrichenen DFB-Bundestag im Oktober 1998 konnte nicht aufgestellt werden, da der Diskussionsbedarf zu viel der zu kurzen Zeit einnahm und das Thema noch zu komplex im Raume steht. Hier wird es sinnvoll sein, das Thema beim Wintertreffen 1999 wieder aufzugreifen und dabei auch den Einflußstatus der Fans im Zusammenhang mit Aktienkauf und Vereinsmitgliedschaft zu beleuchten.
Nachdem der DFB-Bundestag im Oktober 1998 eine Umwandlung der gemeinnützigen Vereine in Unternehmensgesellschaften (50 % + 1 Aktie müssen im Besitz des Vereins bleiben) ermöglichte, sind die wirtschaftlichen Transformationsbemühungen der Clubs weiter in Schwung gekommen, liegen aber trotzdem in einem geteilten Meinungsfeld. Während Dortmund, Mönchengladbach und Wilhelmshafen (!) weiterhin einen Börsengang anvisieren, will Leverkusen zur GmbH mutieren; Kaiserslautern macht sogar einen kompletten Rückzieher. Vorstandsvorsitzender Jürgen Friedrich sagte dazu: „Das ist Kokolores. Damit entfremdet sich der Volkssport Fußball total von seiner Basis” (HH Morgenpost, 5.01.99). Von Börsenexperten sickerte durch, daß erfahrungsgemäß eine 50 % + 1-Vereinbarung keine Garantie für eine nur geringe Einflußnahme von fußballfremden Kräften sei. Außerdem gäbe es nur zwei Börsenfußballvereine (von mittlerweile ca. zwanzig europaweit), die Positivbeispiele für einen Gang an die Börse sind: Manchester United und Bröndby Kopenhagen. Diese Clubs fußen ihre Unternehmen allerdings vor allem auf fußballfremdes Kapital und Investitionen (z. B. Immobilien, Kaufhäuser, Hotels) und nicht auf dem Unsicherheitsfaktor des sportlichen Erfolgs. Vielleicht liebäugeln deshalb die deutschen Erstligavereine, wenn überhaupt, zur Zeit mit einer gemäßigteren Form der Unternehmensgesellschaft, obwohl die Unmengen an plötzlich freiwerdendem Kapital durch einen Börsengang schon verlockend für sie erscheint.


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