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Infos zum Thema RFID-Chips bei der WM

 

Fußball-WM 2006
RFID in den Tickets zur Fußball-WM 2006 in Deutschland

Die Zeit wird knapp: Ab 1. Februar 2005 können Fans die RFID-verwanzten Tickets zur WM bestellen. Details, welche Daten erhoben werden und wer sie danach bekommt, werden auch erst zu diesem Zeitpunkt vollständig bekannt gegeben. Eigentlich ein ungehöriges Vorgehen, aber da die Fans die Tickets dringend haben wollen, können DFB und FIFA sich quasi alles erlauben. Wir sammeln hier alles, was wir bisher erfahren konnten. Wie Sie selbst tätig werden können, erfahren Sie hier.

Fußball wird die schönste Nebensache der Welt sein bei der WM 2006. "Die WM 2006 hat nur vordergründig mit Fußball zu tun und ist eigentlich eine Wirtschaftsshow für den Standort Deutschland. Die Wirtschaft und die Politik wollen sich präsentieren und nutzen den populären Fußball als Bühne", sagte Matthias Bettag vom 'Bund Aktiver Fußballfans' gegenüber silicon.de.

Insbesondere für die RFID-Technik wird die Fußball-WM zur Einflugschneise. Bislang ist es in Deutschland noch nicht gelungen, den Bürgerinnen und Bürgern zu vermitteln, wie sie persönlich von den Schnüffelchips profitieren sollen. Noch überwiegen Skepsis und Bedenken. Deswegen ist die Fußball-WM ein ideales Projekt: Die Angst vor Hooligans kann man nutzen, um RFID als "Sicherheitstechnik" zu verkaufen. Und der Wunsch der Fans, Live dabei zu sein, wird ziemlich sicher größer sein als die Sorge, ausspioniert zu werden.
Fans sollen ausspioniert werden

Und ums Ausspionieren der Fans geht es bei dieser Technik. Das sagte Helmut Bäumler, ehemaliger Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein, schon vor einigen Monaten in einem ARD-Interview: "Es kommt gar nicht mehr drauf an, wer die Karte hat, die Karte ist nicht das entscheidende. Welche Person ist im Stadion, das will man damit feststellen können. Und so sehr ich Verständnis dafür habe, dass man Fußball-Rowdies rechtzeitig abwehren und erkennen möchte, hier sieht man ganz genau, wohin diese Technologie führt, nämlich zur Überwachung von Menschen."

Die Gefahr: Wenn die Fans sich nicht wehren, wird die RFID-Lobby zukünftig mit der Schlagzeile werben "Fußball-Fans haben keine Bedenken gegen RFID"
Wie werden RFID bei der WM eingesetzt?

Jedes WM-Ticket soll einen RFID-Chip enthalten. Auf ihm soll wahrscheinlich sogar die Personalausweisnummer des Ticket-Eigentümers gespeichert werden, also nicht nur irgendein verschlüsselter Zeichen-Code, der erst mit einer nachgeschalteten Datenbank Sinn ergibt. Dieses Ticket soll man beim Einlass vor ein Lesegerät halten, damit soll angeblich der Einlass beschleunigt werden. Wir wundern uns dabei über zwei Aspekte:

1. Wenn man die Karte sowieso vor ein Gerät halten muss, warum reicht dann nicht ein üblicher Strichcode? Warum muss man sie dann per Funk auslesbar machen und dem Missbrauch Tür und Tor öffnen, ohne dass die Fans eine Chance haben, zu merken, wann man sie ausspioniert?

2. Wie wird bei dieser Methode überprüft, dass der richtige Mensch das richtige Ticket in der Hand hat? Wenn man die Tickets über RFID "personalisieren" (s.u.) will, muss dann nicht trotzdem noch eine Ausweiskontrolle stattfinden? Und wo soll dann die Zeitersparnis sein?
Wie werden RFID in den Tickets begründet?

Angeblich will man durch sie die Tickets "personalisieren". Aber wie?

So richtig weiß das noch niemand, die genauen Verkaufsmodalitäten werden erst kurz vor dem 1. Februar, dem offiziellen Verkaufsstart, bekannt gegeben. Einigermaßen fest steht jedoch, dass die Karten nicht frei gekauft, sondern nur "beantragt" werden können, per Internet oder auch per Post. Dazu muss man einen recht detaillierten Fragebogen ausfüllen, der persönliche Daten abfragt - und zwar mehr, als auf den ersten Blick nötig scheint (s.u.).

Mit der "Personalisierung" der Tickets soll der Schwarzhandel unterbunden werden. Ausserdem will man mit Hilfe der RFID-Technik Hooligans und andere Gewalttäter, Krawallmacher usw. aus den Stadien fernhalten. Wie genau das passieren soll, ist noch nicht bekannt.

Kein Schnüffelchip verhindert Gerangel, Schlägereien oder Wutausbrüche.

Das einzige, was wir uns denken können, ist, dass es eine Datenbank mit auffälligen Besuchern geben wird (ähnlich oder identisch mit der Datei "Gewalttäter Sport"), und dass der RFID im Ticket eines solchen auffällig gewordenen Fans einen Alarm auslöst, wenn er eingescannt wird, nach dem Motto "Achtung, Person XY befindet sich in Block C64". Durch entsprechend viele Lesegeräte könnte diese Datei während der WM laufend unendlich erweitert werden mit Informationen wie: "Person XY stand im gleichen Block wie Person Z, die eine Leuchtkerze aufs Spielfeld geworfen hat" usw. Und all das, ohne dass Person XY überhaupt merkt, dass sie von irgendeiner Antenne erfasst worden ist.
Welche Daten werden erhoben?

Daten werden wahrscheinlich an mindestens zwei Stellen erhoben: Zum einen per Fragebogen bei der Beantragung der Tickets (s.o.), und zum zweiten direkt in den Stadien. Bisher wird dort nur von den "Einlasskontrollen" gesprochen, bei denen die Ticket-Schnüffelchips ausgelesen werden sollen. Ob auch an anderen Stellen (z.B. vor jedem einzelnen Block) Lesegeräte aufgestellt werden, oder ob sogar die Sicherheitsdienste und Ordner mit mobilen Hand-Lesegeräten ausgestattet werden, weiß zur Zeit wahrscheinlich nur das WM-Organisationskomitee. Je mehr Lesegeräte da sind, desto detaillierter werden die Personenprofile.

Was bei der Ticket-Bestellung schon erhoben wird, ist noch nicht ganz eindeutig zu sagen, weil der endgültige Fragebogen erst beim Verkaufbeginn am 1. Februar veröffentlicht wird. In einem Vortrag bei einer Tagung des "Euroforum" zum Thema RFID hat Renate Hillenbrand-Beck, die Leiterin des Dezernats Datenschutz beim Regierungspräsidium Darmstadt, jedoch schon einen Grundstock an zu erhebenden Daten vorgestellt. Demnach sind folgende Fragen schon mal sicher zu erwarten:

* Name und Vorname
* Adresse
* Geburtsdatum
* Nummer des Personalausweises oder Reisepasses
* Austellungsland des Ausweises oder Passes
* Nationalität
* Telefon- und Faxnr., E-Mail
* Spiele, für die die Karte(n) bestellt werden, und die Preiskategorie
* Fan von [Vereinsname]
* Bank- oder Kreditkartendaten
* Angabe von Zusatzbestellungen für andere Personen

Wir fragen uns: Wozu braucht man z.B. bei der Bestellung eines Tickets ein Geburtsdatum? Wozu die Nummer eines Ausweises? Wozu Telefon, Faxnummer oder Vereinszugehörigkeit? Das alles sind Daten, die für die Werbewirtschaft ausgesprochen interessant sind, deren Sinn für die Ausgabe der Tickets wir aber nicht einsehen. Wenn man Tickets "personalisieren" will, warum druckt man dann nicht einfach einen Namen drauf?

Außerdem: Wenn man für jemand anderes Karten (mit-)bestellt, sind bei dieser letzten Frage die Daten dieser anderen Person anzugeben - wobei dazu auch eine entsprechende Vollmacht zur Weitergabe der Daten der betreffenden Person gehört. Wie das gehen soll, ohne gleichzeitig einem möglichen Missbrauch Vorschub zu leisten, ist bisher nicht herauszufinden.
Wer bekommt die erhobenen Daten?

Gute Frage. Wir wissen es nicht. Wer betreibt eigentlich diese Sicherheitstechnik? Jedes einzelne Stadion? Der DFB? Die FIFA? Irgendein privater Sicherheitsdienst? Das [Externer Link] Organisationskomitee zur Fußball-WM (in dessen Aufsichtsrat u.a. Innenminister Otto Schily sitzt)? Damit also die Polizei bzw. das Innenministerium? Ketzerisch gefragt: Die Daten bekommt jeder, der gerne mal reinschauen möchte?

Weitergegeben werden die Daten zunächst einmal wohl alle teilnehmenden "Länder", wer immer damit gemeint ist (z.B. Sicherheitsdienste und Regierungen?). Darüber hinaus wohl auch die Sponsoren, vielleicht auch die angegebenen Vereine, deren Fan man ist...

Um den Datenschutzgesetzen Folge zu leisten, muss man natürlich ein berechtigtes Interesse nachweisen, um Einblick in Datenbanken zu erhalten - und welche Interessen berechtigt sind, wird z.B. in AGBs (Allgemeinen Geschäfts-Bedingungen) festgelegt, die erst mit Verkaufsstart der Tickets bekannt gegeben werden - und die dann sowieso keiner mehr liest, der gerne der erste sein will…
Wie wird es nach der WM mit RFID in Fußball-Tickets weitergehen?

Auch hier müssen wir wieder feststellen: Wir wissen es nicht. Klar ist jedenfalls, dass es weitergeht. Schon jetzt nutzen einige Stadien, z.B. die Arena "Auf Schalke", das "Gottlieb-Daimler-Stadion" in Stuttgart und das "Fritz-Walter-Stadion" in Kaiserslautern, RFID bei den Eintrittskarten (Quelle: [Externer Link] FIFA. Und natürlich, so hat der DFB betont, wird die Technik in den Stadien nachher nicht ab-, sondern ausgebaut.

Mittel- bis langfristig wird überhaupt keine RFIDlosen Eintrittskarten zu Fußballspielen mehr geben.

WM-Spiele und damit "RFID-Erstausstattungen" soll es in folgenden Stadien geben:

* München
* Nürnberg
* Stuttgart
* Berlin
* Hamburg
* Hannover
* Kaiserslauten
* Gelsenkirchen
* Dortmund
* Köln
* Leipzig
* Frankfurt/M.

Was kann ich dagegen tun?

Wer nicht will, dass seine Daten erfasst werden, sollte sich nicht erfassen lassen - aber das ist keine wirkliche Alternative, denn die einfache Formel lautet "Keine Daten - keine Tickets!"

Erster Schritt ist, bis zur Vergabe der Tickets, also bis Ende Januar, möglichst viele Fans auf die kommenden Gefahren für ihre Privatsphäre hinzuweisen. Bei der Gelegenheit: Unsere Arbeit ist komplett ehrenamtlich, und benötigt gerade deshalb Ihre Unterstützung durch eine Spende! Und wenn Sie Details zu RFID bei der Fußball-WM finden, schreiben Sie uns eine Mail!

Dann müssen die durch die Fragebögen und AGB auftauchenden Probleme geklärt werden.

Solange die FIFA nicht erklären kann, dass die Sicherheit in den Stadien ohne RFID nicht zu gewährleisten ist, gibt es keinen Grund für den Einsatz von Schnüffelchips!

Schreiben Sie an die Datenschutzbeauftragten der Länder und des Bundes, sich um den RFID-Einsatz bei der Fußball-WM zu kümmern! Der DFB hat seinen Sitz in Frankfurt, deshalb ist allgemein für die Ticketvergabe das Regierungspräsidium Darmstadt zuständig, und damit der hessische Datenschutzbeauftragte Prof. Dr. Michael Ronellenfitsch.

Die Stadien befinden sich jedoch auch in anderen Bundesländern als Hessen, von daher sind regional die jeweiligen dortigen Landesdatenschutzbeauftragten wohl (mit-)zuständig - nicht für die Ticket-Vergabe, aber vielleicht für die Genehmigung der Antennen in den Stadien?

Das sind:

* Prof. Dr. Hansjürgen Garstka Berlin
* Hartmut Lubomierski Hamburg
* Peter Zimmermann Baden-Württemberg
* Reinhard Vetter Bayern
* Burckhard Nedden Niedersachsen
* Prof. Dr. Walter Rudolf Rheinland-Pfalz * Andreas Schurig Sachsen
* Bettina Sokol Nordrhein-Westfalen * Prof. Dr. Michael Ronellenfitsch Hessen

Unsere Forderungen





* Fußball-Tickets ohne RFID-Schnüffelchips
* Keine Erfassung überflüssiger Daten (z.B. Geburtsdatum) von Stadion-Besuchern, nicht per Fragebogen und nicht per Antenne!
* Keine Speicherung und Weitergabe erfasster Daten an Drittländer und Sponsoren! Die Bestell-Daten sind ausschließlich zur Bestellungs-Abwicklung zu verwenden und müssen direkt nach Ausgabe der Tickets gelöscht werden!
Quelle und weitere Infos über dieses Thema: www.stoprfid.de

Hier findet ihr einen Flyer zum Thema als PDF-Donwload [107 KB]

Druckbare Version Infos zum Thema von Foubud e.V. -Stop RFID