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24.01.: Interview im Kölner Stadtanzeiger

 

"Das ist wie beim Viehtransport"

24.01.2004

Über Erfolge und Rückhalt beim normalen Stadionbesucher sprach Karlheinz Wagner mit "Baff"-Sprecher Johannes Stender.
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Stender, das Bündnis Aktiver Fußball-Fans "Baff" besteht seit zehn Jahren. Wird beim bundesweiten Fan-Kongress an diesem Wochenende ausschließlich gefeiert?
JOHANNES STENDER: Nö, die Feierlichkeiten sind natürlich einer der Hauptanlässe. Aber es geht schon auch um die Themen, die Baff in der Vergangenheit mit geprägt hat. Repressionen gegen Fans sind zum Beispiel eines der Hauptanliegen.
Da verleihen Sie in diesem Jahr erstmals den "Goldenen Schlagstock".
STENDER: Ja, die offizielle Verkündung findet am Sonntag statt. Deshalb kann ich natürlich nicht sagen, wer ihn bekommt. Das ist schon so wie bei der "Oscar"-Verleihung. Aber die Wahl ist beschränkt auf Polizei oder Ordnungsdienste aus einer Stadt mit Erst- oder Zweitligaklub. Für die Ordnungsdienste gibt es das "Goldene Pfefferspray". Die Wahl wird begründet anhand eines konkreten Vorfalls. Die Besucher unserer Homepage haben da schon eine Vorauswahl getroffen. Und aus den "Top fünf" wird eine Baff-Jury dann den Gewinner ermitteln.
Und der Preis wird dem Sieger dann richtig überreicht?
STENDER: Ach, der Gewinner wird ja nicht sonderlich begeistert sein. Aber zum Beispiel das "Goldene Pfefferspray" kann schon überreicht werden. Man kann es versuchen.
Wie hat sich das Verhältnis zwischen Fans und Ordnungskräften denn entwickelt? Hat es da keine Entspannung gegeben?
STENDER: Nein, eher nicht. Man hört immer wieder Beschwerden über übermäßig harte Einsätze von Ordnungsdiensten oder Polizei, über den Gebrauch von Pfefferspray bei eher nichtigen Anlässen. Die Zahl der Beschwerden nimmt eher zu. Und vor allem mit Blick auf die WM 2006 - da ist ja einiges zu befürchten an Repressionen, weil Deutschland natürlich plant, die WM sicher über die Bühne zu bringen. Was ja auch in Ordnung wäre.
Noch näher liegt die EM 2004 in Portugal. Dort wird jeder, der Karten bekommen will, mit Name, Adresse, Telefon- und Ausweisnummer registriert.
STENDER: Ja, in Portugal kommt man dann leichter ins Gefängnis als zu einem EM-Spiel.
Wo setzt Ihre Kritik an? Was ist dagegen zu sagen, dass die Veranstalter gerne wissen, wer bei den Spielen auf welchem Platz sitzt?
STENDER: Es hat zu tun mit "Wehret den Anfängen". Die Gefahr ist ja gegeben, dass sich so etwas gesellschaftlich schnell ausweitet. Das nächste Mal geht es dann vielleicht um Konzertkarten, bei Konzerten könnte ja auch etwas passieren. Und so könnte sich allmählich ein Netz von Kontrollen ausbreiten, und das in einem Maße, das für die bloße Sicherheit gar nicht mehr relevant ist.
Für wen erhebt Baff die Stimme? Sehen Sie sich als besonders bewusste Fans? Unterscheiden Sie sich vom normalen Stadionbesucher?
STENDER: Stadionbesucher sind auch Fans. Aber natürlich gibt es schon Unterschiede. Von Repressionen betroffen sind zum Beispiel besonders Fans, die zu Auswärtsspielen fahren. Und da auch nicht die Sitzplatz- oder Logenbesucher. Aber wir sprechen auch für die, die bei den Auswärtsfahrten schon im Zug von der Polizei begleitet werden und dann am Ort ganz massiven Kontrollen ausgesetzt sind. Ins Stadion darf man so gut wie nichts mehr mitnehmen - ob Fahnen, ob Doppelhalter oder sonstige Utensilien. Und nach dem Spiel wird man zurück zum Zug eskortiert und darf sich, wenn man Pech hat, nicht mal was zu trinken kaufen für die Rückreise. Nicht mal was Alkoholfreies. Das ist dann ein bisschen wie beim Viehtransport.
Diese Sprachregelung wäre nicht mal falsch. Schließlich soll ja "die Verweildauer der Fans im Stadion" erhöht werden, damit dort mehr Geld ausgegeben werden kann, wie die Liga inzwischen argumentiert. Die Halbzeit-Pause soll ja deshalb verlängert werden.
STENDER: Wir sehen natürlich die Gefahr, dass man jetzt schon die Regeln des Spiels auf Grund von kommerziellen Erwägungen abändert. Das sollte man lassen, bevor das Spiel ganz zu einem bloßen Anhängsel für Kommerz wird.
Und fühlt Baff sich in seinem Kampf da nicht ein bisschen alleine gelassen? Die neuen, modernen Stadien der Bundesliga sind zuschauerfreundlicher denn je, sie sind voller denn je, die Auslastung der einzelnen Stadien ist spektakulär hoch.
STENDER: Ein bisschen ist es schon, als würde ein Don Quichotte gegen die Windmühlen des Kommerzes ankämpfen. Aber es gibt ja Erfolge.
Ziehen Sie doch mal eine kurze Erfolgsbilanz von zehn Jahren Bündnis Aktiver Fußball-Fans.
STENDER: Na ja, im Bereich der Stehplätze hatte unsere Kampagne "Sitzen ist für´n Arsch" doch schon einige Erfolge. Auch in den neuen Stadien wie Köln und Frankfurt sind ja Stehplatz-Kontingente gesichert worden und im Zusammenhang damit eben preiswerte Tickets. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist darüber hinaus das Thema Rassismus im Stadion. Da konnten die Gruppierungen vor Ort durchaus etwas erreichen, und das Thema ist im Bewusstsein der Öffentlichkeit deutlich stärker verankert. Unsere Ausstellung "Tatort Stadion" zu diesem Thema läuft seit langem mit Erfolg durch die Republik.
http://www.ksta.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksPrintArchiv&aid=1074938445492&calledPageId=1037365920648

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